Interview mit Albert Amrein
Head of Production von DemoSCOPE AG – part of Norstat Group
Albert Amrein arbeitet seit über 29 Jahren in der Marktforschungsbranche und verfügt über umfassende Erfahrung in verschiedenen Führungsrollen und Funktionen. Seinen beruflichen Werdegang begann er 1997 als Telefon- und Face-to-Face-Interviewer beim GfS-Forschungsinstitut. Anschliessend war er dort als Projektkoordinator, Projektmanager sowie als Head of Operations tätig. Ab 2010 arbeitete er beim LINK-Institut als Projektleiter Verkauf und verantwortete das dezentrale sowie die lokalen Telefonlabore. 2013 wechselte er zu DemoSCOPE, wo er zunächst die Leitung der Haushaltsbudgeterhebung übernahm und später die Leitung der Produktion. Von 2019 bis Ende 2025 war er Produktionsleiter und Partner und führte das Unternehmen gemeinsam mit Dr. Michael Buess und Stefan Klug.
Nach dem Firmenverkauf im Jahr 2026 übernahm er die Rolle als Head of Production der DemoSCOPE AG – part of Norstat Group.
Im Interview sprechen wir über seinen persönlichen und beruflichen Weg:
Wie bist du in die Marktforschung eingestiegen und was hat dich daran begeistert?
Ich bin eher zufällig in die Marktforschung eingestiegen. 1997 habe ich als Face-to-Face- und Telefoninterviewer beim GfS-Forschungsinstitut begonnen. Schon damals hat mich fasziniert, wie spannend es ist, Meinungen, Verhaltensweisen und gesellschaftliche Entwicklungen sichtbar zu machen und daraus wertvolle Erkenntnisse zu gewinnen. Besonders begeistert hat mich von Anfang an die Vielseitigkeit der Branche. Kein Projekt ist wie das andere, und man arbeitet immer nahe an den Menschen und aktuellen Themen. Gleichzeitig verbindet die Marktforschung analytisches Denken mit operativer Umsetzung und technologischer Weiterentwicklung – genau diese Kombination hat mich motiviert, mich stetig weiterzuentwickeln. Im Laufe meiner Karriere durfte ich verschiedenste Rollen übernehmen – vom Interviewer über Projektmanagement und operative Führung bis hin zur strategischen Unternehmensführung. Dadurch konnte ich die Branche aus unterschiedlichen Perspektiven kennenlernen und aktiv mitgestalten. Bis heute motiviert mich besonders, gemeinsam mit Teams Lösungen zu entwickeln, Prozesse zu optimieren und die Marktforschung innovativ weiterzubringen.
Führung, Familie und Verantwortung – wie gelingt dir die Balance im Alltag?
Führung, Familie und Verantwortung unter einen Hut zu bringen, ist sicherlich nicht immer einfach. Ich glaube aber, dass die richtige Balance vor allem dann gelingt, wenn man neben dem Beruf Dinge hat, die einem Energie geben und einen erden. Für mich spielen dabei Familie und Freunde eine zentrale Rolle. Gemeinsam haben wir ein grosses Treibhaus zu einem Party- und Begegnungshaus umgebaut. Dieses Projekt ist über die Jahre zu einem Ort geworden, an dem wir zusammenkommen, feiern, diskutieren und einfach eine gute Zeit miteinander verbringen können. Solche gemeinsamen Projekte sind für mich ein wichtiger Ausgleich zum Berufsalltag. Generell arbeite ich sehr gerne an meinen Home-Projekten. Die Ideen gehen mir dabei nie aus. Es gibt immer etwas zu planen, zu bauen, zu verbessern oder neu zu gestalten. Für viele Menschen bedeutet Entspannung vielleicht, nichts zu tun. Für mich bedeutet sie oft, mit den Händen etwas zu erschaffen und sichtbare Fortschritte zu erzielen. Eine weitere grosse Leidenschaft von mir ist das Kochen und Grillieren. Wenn ich am Grill stehe oder für Familie und Freunde koche, kann ich hervorragend abschalten. In diesen Momenten konzentriere ich mich ganz auf das Hier und Jetzt. Es ist für mich eine kreative Tätigkeit und gleichzeitig eine wunderbare Möglichkeit, Menschen zusammenzubringen. Sehr wichtig sind für mich auch kurze Auszeiten. Ich reise gerne und liebe insbesondere die Stadt München, die ich vier- bis fünfmal pro Jahr besuche. Die Stadt bietet für mich die perfekte Mischung aus Kultur, Kulinarik, Lebensfreude und Vertrautheit. Diese Kurzreisen helfen mir, den Kopf freizubekommen und mit neuer Energie zurückzukehren. Der wichtigste Faktor für meine Balance ist jedoch meine Familie. Meine Frau Martina stärkt mir seit vielen Jahren den Rücken und unterstützt mich in allen Lebenslagen. Ohne diesen Rückhalt wären viele berufliche Herausforderungen deutlich schwieriger zu meistern gewesen. Auch unsere beiden Söhne, Silvan und Jan, sind ein wichtiger Teil meines Lebens. Sie erinnern mich immer wieder daran, was im Leben wirklich zählt. Letztlich habe ich gelernt, dass Führung und Verantwortung nur dann langfristig funktionieren, wenn man sich bewusst Zeit für die Menschen und Dinge nimmt, die einem Kraft geben. Genau diese Mischung aus Familie, Freunden, Projekten und kleinen Auszeiten hilft mir, die Balance im Alltag zu finden und mit Freude meiner Verantwortung nachzugehen.
Gab es eine Person, die dich beruflich besonders beeinflusst hat?
Ja, es gibt eine Person, die mich beruflich besonders geprägt und beeinflusst hat. Vor knapp 30 Jahren erhielt ich von Georges Ulrich die Chance, mich beruflich weiterzuentwickeln und wertvolle Erfahrungen zu sammeln. Heute ist er Direktor des Bundesamtes für Statistik, doch schon damals beeindruckte mich seine Art, Menschen zu führen und mit ihnen zusammenzuarbeiten. Besonders in Erinnerung geblieben sind mir seine Nähe zu den Mitarbeitenden, sein offener und respektvoller Führungsstil sowie seine Fähigkeit, Menschen für gemeinsame Ziele zu begeistern. Er führte nicht von oben herab, sondern arbeitete mit seinem Team zusammen, hörte zu und bezog die Mitarbeitenden aktiv in Projekte und Entscheidungen ein. Dadurch schuf er ein Umfeld, in dem sich Menschen entfalten und Verantwortung übernehmen konnten. Für mich wurde er zu einem wichtigen Vorbild. Schon früh nahm ich mir vor, eines Tages selbst so zu führen, wie ich es bei ihm erleben durfte: wertschätzend, menschlich, klar in den Zielen und gleichzeitig nah bei den Mitarbeitenden. Dieses Ziel hat mich während meiner gesamten beruflichen Laufbahn begleitet und motiviert. Rückblickend denke ich, dass es mir gelungen ist, viele dieser Werte in meinen eigenen Führungsstil zu integrieren. Deshalb bin ich Georges Ulrich nicht nur für die Chance dankbar, die er mir damals gegeben hat, sondern auch für die Inspiration, die mich bis heute begleitet.
Gibt es einen Moment in deiner Laufbahn, auf den du heute besonders stolz zurückblickst?
Ja, solche Momente gibt es tatsächlich einige, aber dafür würde dieses Interview wohl etwas zu lange dauern. Wenn ich einen Moment hervorheben müsste, dann wäre es sicherlich die Übernahme der DemoSCOPE AG Ende 2019. Gemeinsam mit Michael Buess und Stefan Klug haben wir das Unternehmen im Rahmen eines Management-Buy-outs übernommen. Es war ein mutiger Schritt und für uns alle eine grosse Herausforderung. Wir waren voller Tatendrang und hatten viele Ideen für die Zukunft. Nur wenige Monate später kam jedoch die COVID-19-Pandemie. Plötzlich stand die Welt still, Projekte wurden gestoppt, Kunden waren verunsichert und niemand konnte abschätzen, wie sich die Situation entwickeln würde. Für uns als neue Eigentümer war das eine enorme Belastungsprobe. Ich erinnere mich noch gut an diese Zeit. Es gab viele schlaflose Nächte und Momente, in denen ich mir grosse Sorgen um die Zukunft des Unternehmens und unserer Mitarbeitenden machte. Was mich heute besonders stolz macht, ist die Art und Weise, wie wir diese Krise gemeinsam gemeistert haben. Wir haben als Führungsteam eng zusammengearbeitet, schwierige Entscheidungen getroffen, Chancen erkannt und vor allem Ruhe bewahrt. Dank dem grossen Einsatz aller Mitarbeitenden ist es uns gelungen, das Unternehmen sicher durch diese aussergewöhnliche Zeit zu führen. Besonders stolz bin ich darauf, dass wir dies geschafft haben, ohne einschneidende personelle Konsequenzen vornehmen zu müssen. Wir konnten unsere Mitarbeitenden halten, die Arbeitsplätze sichern und gleichzeitig die Basis für die weitere Entwicklung des Unternehmens schaffen. Rückblickend war diese Zeit eine der grössten Herausforderungen meiner beruflichen Laufbahn, aber auch eine der lehrreichsten. Sie hat mir gezeigt, wie wichtig Vertrauen, Zusammenhalt und eine gemeinsame Vision sind. Genau deshalb blicke ich heute mit besonderem Stolz auf diesen Abschnitt meines Berufslebens zurück.
Was motiviert dich im Alltag am meisten, auch wenn es operativ einmal hektisch wird?
Was mich im Alltag am meisten motiviert, sind ganz klar unsere Mitarbeitenden. Gerade in hektischen Phasen, wenn viele Projekte gleichzeitig laufen, Termine eingehalten werden müssen oder unerwartete Herausforderungen auftreten, sind sie meine grösste Motivation. Ich habe das Privileg, mit einem aussergewöhnlich engagierten Team zusammenzuarbeiten. Tag für Tag erlebe ich, mit wie viel Einsatz, Verantwortungsbewusstsein und Leidenschaft unsere Mitarbeitenden ihre Arbeit ausführen. Es beeindruckt mich immer wieder, wie selbstverständlich sie bereit sind, füreinander einzustehen und gemeinsam Lösungen zu finden. Besonders motivierend ist für mich das Vertrauen, das wir über die Jahre aufgebaut haben. Ich weiss, dass ich mich auf mein Team verlassen kann – unabhängig von der Tageszeit oder der Situation. Wenn es notwendig wäre, würden viele von ihnen auch an einem Sonntag Unterstützung leisten. Nicht, weil sie müssten, sondern weil sie sich mit dem Unternehmen und den gemeinsamen Zielen identifizieren. Dieses Gefühl von Zusammenhalt und gegenseitiger Unterstützung ist alles andere als selbstverständlich und erfüllt mich mit grosser Dankbarkeit.
Mein Leitsatz auf unserer Homepage beschreibt meine Haltung als Führungsperson wahrscheinlich am besten:
«Unsere Mitarbeitenden – die von heute und die von morgen – sind die treibende Kraft von DemoSCOPE. Ihre Fähigkeiten und Kompetenzen sind die Grundlage unseres Erfolgs und der Antrieb des Unternehmens.»
Dieser Satz von mir bringt auf den Punkt, was ich seit vielen Jahren lebe und woran ich fest glaube. Unternehmen werden oft über Zahlen, Strategien oder Technologien definiert. Meiner Meinung nach sind es aber immer die Menschen, die den entscheidenden Unterschied machen. Sie entwickeln Ideen, lösen Probleme, pflegen Kundenbeziehungen und tragen das Unternehmen auch durch herausfordernde Zeiten. Zu sehen, wie sich Mitarbeitende weiterentwickeln, Verantwortung übernehmen und über sich hinauswachsen, motiviert mich jeden Tag aufs Neue. Es macht mich stolz, wenn wir gemeinsam Erfolge feiern können und wenn ich sehe, dass sich die Menschen in unserem Unternehmen wohlfühlen und ihre Stärken einbringen können. Genau deshalb gehe ich auch nach vielen Jahren noch mit Freude zur Arbeit. Denn am Ende sind es nicht Prozesse oder Strukturen, die ein Unternehmen erfolgreich machen, sondern die Menschen dahinter. Und ich bin dankbar, jeden Tag mit einem Team zusammenarbeiten zu dürfen, das diesen Gedanken mit Leben füllt.
Wie gelingt es, die besondere Unternehmenskultur von DemoSCOPE auch als Teil einer internationalen Gruppe zu bewahren – und welche Chancen ergeben sich dadurch für die Mitarbeitenden?
Ich bin überzeugt, dass die besondere Unternehmenskultur von DemoSCOPE auch als Teil einer internationalen Gruppe erhalten bleiben kann. Unsere Kultur basiert auf Nähe zu den Mitarbeitenden, kurzen Entscheidungswegen, gegenseitigem Vertrauen und einem starken Teamgeist. Diese Werte haben uns über viele Jahre geprägt und werden auch in Zukunft ein wichtiger Bestandteil unserer Identität bleiben. Gleichzeitig eröffnet die Zugehörigkeit zu einer internationalen Gruppe unseren Mitarbeitenden zahlreiche neue Möglichkeiten. Sie erhalten Zugang zu neuen Methoden, Technologien und Tools, die in einem grösseren Unternehmensverbund entwickelt und eingesetzt werden. Dadurch entstehen wertvolle Chancen, neues Wissen aufzubauen und sich fachlich sowie persönlich weiterzuentwickeln. Ein weiterer grosser Vorteil ist der Austausch mit Kolleginnen und Kollegen aus anderen Ländern. Unsere Mitarbeitenden lernen neue Menschen, neue Arbeitsweisen und auch andere Unternehmenskulturen kennen. Dieser internationale Austausch erweitert den Horizont und ermöglicht es, voneinander zu lernen und bewährte Ideen zu übernehmen. Darüber hinaus ergeben sich in einer internationalen Gruppe oft neue Karriere- und Entwicklungsmöglichkeiten. Projekte werden grösser, vielfältiger und internationaler. Mitarbeitende können Erfahrungen sammeln, die in einem rein nationalen Unternehmen oftmals nicht möglich wären. Für mich ist die Kombination aus beiden Welten besonders wertvoll: Wir bewahren die familiäre Kultur, die DemoSCOPE seit jeher auszeichnet, und profitieren gleichzeitig von den Möglichkeiten, Ressourcen und Perspektiven einer starken internationalen Organisation. Dadurch schaffen wir für unsere Mitarbeitenden ein Umfeld, das sowohl Stabilität als auch Entwicklungschancen bietet – und genau darin liegt eine grosse Chance für die Zukunft.
Zwischen Beruf und Privatleben – persönliche Einblicke, Erfahrungen und Gedanken zu Führung, Verantwortung und den Veränderungen.